Verein hat eine 290-jährige Tradition
St. Johanni Schützengilde feiert Vor 290 Jahren wurde die St. Johanni Bruderschaft gegründet, die an diesem Wochenende ihr Schützenfest feiert. Sie ist der älteste Schützenverein Riesenbecks.
Hörstel · Mittwoch, 22.06.2022 (Von Francis Kroll)
Im Jahre 1732 gelobten die Gründungsmitglieder der St. Johanni Bruderschaft feierlich im Geiste des heiligen Johannes des Täufers, in christlicher Verantwortung zum Wohle der Bruderschaft, ihrer Mitglieder und ihrer Familien zu wirken. Gründer Johan Rahters und die Mitbegründer Maria Hinderding, Deutert Book und Anton Kamphues legten in den Statuten fest, die „Schießung zum Vogel auf ,Sanctae. Johanni Baptistae Tag‘“ zu legen – also auf den 24. Juni, der auch als Johannistag bekannt ist. Die Zugehörigkeit zur örtlichen katholischen Kirchengemeinde St. Kalixtus wurde in der Vereinsgeschichte immer wieder hervorgehoben. Damit verband der Verein die Verpflichtung beispielsweise zum Ordnungsdienst bei Prozessionen. Zudem beginnt aufgrund der langen Verbindung zur Kirche das Schützenfestes alljährlich mit einer Messe.
Dass diese Vorgaben auch eingehalten werden, dafür hatte der Aldermann zu sorgen. Dabei handelte es sich meist um eines der ältesten Mitglieder der Bruderschaft. Organisiert hatten sich in der Schützengilde zunächst überwiegend wohlhabende Bürger von Riesenbeck und Gravenhorst. Kurzweilige Treffen im Dorf sollten die Geselligkeit pflegen.
Das hundertjährige Bestehen feierte die Gilde im August 1832 in der Gastwirtschaft Pompey (heute Hotel Riesenbeck) mit dem Jubelkönig Johann Primavesi.
Standesunterschiede schwanden
Waren in den alten Schützenbruderschaften die Standesunterschiede noch groß, entstanden in den späteren Jahren immer mehr Vereinigungen, in denen jeder, der Schütze werden wollte, eintreten konnte. Die Schützenfeste entwickelten sich somit zu Volksfesten. Aus den Kassenbüchern von 1832 bis 1858 ist ersichtlich, dass auch Frauen im Vereinsleben der St. Johanni Bruderschaft eine Rolle spielten. Denn auch weibliche Mitglieder werden dort namentlich geführt.
Im Laufe der Jahrzehnte sorgten politische Auseinandersetzungen immer wieder für Zäsuren. Durch Kriegswirren und Todesfälle fielen die Feiern zum 150-jährigen Bestehen 1882 aus. Erst 1893 fand erneut ein Schützenfest statt. Schon ein Jahr später mussten die Schützen allerdings wieder auf ihr Schützenfest verzichten – Grund war der starke Mitgliederschwund infolge zahlreicher Todesfälle.
Im Ersten Weltkrieg und den frühen 1920er Jahren ruhte das Vereinsleben bis 1924. Auch in der NS-Zeit und im Zweiten Weltkrieg konnten die Mitglieder ihre Vereinsaktivitäten kaum oder gar nicht aufrechterhalten. Erst 1951 schlossen sich die Schützen wieder zu einem allgemeinen Schützenverein zusammen und gründeten die St. Johanni Schützengilde.
Suche nach altem Schießplatz
Wie im Jubiläumsbuch „275 Jahre St. Johanni Schützengilde“ zu lesen ist, fand im Jahre 1913 das letzte Schützenfest vor dem Ersten Weltkrieg statt. Da nie ein genauer Ort des Schießplatzes vermerkt worden war, versuchte Heimatforscher Josef Keller die genaue Örtlichkeit dieses Schützenfestes herauszufinden. Der Festplatz mit der Vogelstange muss an der heutigen Emsdettener Straße in der Nähe des Abzweiges Nagels Damm in einer Wäldchen mit hohen Bäumen gewesen sein, ist er überzeugt. Dieser Platz könnte bis 1913 genutzt worden sein. Da das Elternhaus von Alois Bühner direkt an diesem Wäldchen liegt, beschlossen die beiden, sich den Platz genauer anzusehen. Als Kind und Jugendlicher habe Alois Bühner dort oft gespielt, sagt er. Fünf inzwischen zugewachsene oder ausgetrocknete Mulden erinnern heute an die Fischteiche des Sanitätsrates Dr. Josef Verlage. Sie wurden damals von der nahe gelegenen Flötte mit Wasser versorgt. Die angrenzende Wiese, die dazugehörte, hieß „Doktors Wiese“.
Alois Bühner staunte beim Betreten der ehemaligen Schießanlage über die mehr als hundertjährigen Bäume, die inzwischen mächtig an Größe zugelegt haben. Zwei Linden standen am damaligen Schießstand, auch ein Holzhaus sowie ein Holzsteg über dem Weg, der zwei Fischteiche miteinander verband. Anhand einer Katasterkarte konnte jetzt Josef Keller deren genaue Lage beschreiben.
Das Schützenfestprogramm
Die Sankt Johanni Schützengilde Riesenbeck feiert am Freitag, 24. Juni, zum 290. Mal ihr Schützenfest.
Traditionsgemäß findet das Fest am Johannistag statt. Das Schützenfest beginnt um 14 Uhr mit der Messe in der Sankt Kalixtus Kirche. Nach dem Ausholen des Königs Norbert Althelmig wird ein Kranz am Ehrenmal niedergelegt. Danach marschieren die Schützen begleitet von der Feuerwehrkapelle zum Festplatz Im Vogelsang. Beim Königsschießen wird ein Nachfolger für den amtierenden König ermittelt. Die Schützengilde hofft auf eine rege Beteiligung, nachdem das Schützenfest in den vergangenen beiden Jahren hatte ausfallen müssen.